Was ist Brand Storytelling und warum braucht deine Marke es?
Als ich 2017 in die Selbstständigkeit gegangen bin, gab es plötzlich zwei Caros: Die eine war die private Caro. Begeisterungsfähig bis zum Anschlag, mit tausend Leidenschaften, eine, die für Dinge so richtig brennen kann. Und dann gab es die Unternehmens-Caro. Die professionelle. Die Freelancerin und Dienstleisterin, die umsetzt, was man ihr hinlegt.
Jedes Mal, wenn ich in diese zweite Rolle geschlüpft bin, hat sich das angefühlt, als würde ich ein Kostümchen anziehen. Ganz komisch. Irgendwie richtig, weil man das halt so macht, und gleichzeitig total falsch. Ich war entkoppelt von meiner Marke und, wenn ich ehrlich bin, auch ein Stück von mir selbst.
Irgendwann ist mir klar geworden, dass das nicht getrennt gehört. Zumindest nicht bei einer Personal Brand. Steckt ja eigentlich schon im Wort, oder? Personal. Wer da einen auf hochprofessionell macht und die eigene Persönlichkeit vor der Tür stehen lässt, macht einen ziemlich fatalen Fehler.
Genau darum geht es beim Brand Storytelling. Und deshalb steht die Story bei mir in jedem Branding-Prozess ganz am Anfang.
Was ist Brand Storytelling eigentlich?
Wenn du „Brand Storytelling“ googelst, findest du jede Menge über Heldenreisen, Spannungsbögen und Content-Formate. Kann man alles machen. Für eine Personal Brand finde ich eine viel einfachere Beschreibung hilfreicher:
Brand Storytelling heißt, dass deine Marke erzählt, wer du bist, warum du tust, was du tust, und wofür du stehst. Und zwar überall. In deinen Texten natürlich, aber eben auch in deinen Farben, deiner Schrift, deinem Logo, deiner Bildwelt und in jedem kleinen Detail dazwischen.
Eine gute Markenstory musst du deshalb gar nicht jedes Mal laut erzählen. Man spürt sie. Jemand landet auf deinem Profil und denkt sich: Ah, okay, ich weiß sofort, wie die tickt. Das ist der Moment, in dem Storytelling funktioniert.
Bei Personal Brands gibt es dabei eine Besonderheit. Die Story bist du. Deine Geschichte, deine Werte, auch deine Ecken und Kanten. Und meistens auch der Grund, warum du überhaupt angefangen hast.
Viele meiner Kundinnen haben ihr Business aus einer ganz persönlichen Situation heraus gegründet. Das ist ihre stärkste Story, und ausgerechnet die halten sie oft am meisten zurück.
Warum braucht deine Marke eine Story?
Ich sag es mal so: Menschen kaufen von Menschen. Gerade bei Coaching, Mentoring oder Beratung, also bei Angeboten, bei denen sich jemand dir öffnet und ordentlich Geld in die Hand nimmt.
Bevor eine Frau bei dir bucht, will sie wissen, ob sie dir vertrauen kann. Und dieses Vertrauen entsteht selten über die Liste deiner Ausbildungen. Es entsteht, wenn sie sich in dir wiedererkennt. Wenn sie spürt, wofür du stehst, und deine Marke ihr in Sekunden zeigt, dass sie hier richtig ist.
Ohne Story passiert meistens eins von zwei Dingen.
Entweder du wirkst austauschbar. Schöne Farben, ordentliche Templates, aber nichts, woran man hängen bleibt. Du siehst aus wie zehn andere Coaches in deiner Nische, und am Ende entscheidet der Preis. Oder du wirkst total nahbar, nur eben nicht wie die Expertin, die du längst bist. Dann passiert das, was ich bei so vielen Frauen beobachte: Man fragt dich um Rat wie die beste Freundin. Man findet dich super sympathisch. Gebucht wirst du trotzdem nicht.
Kennst du, oder?
Eine klare Markenstory bringt beides zusammen. Sie zeigt deine Persönlichkeit und deine Haltung, und sie gibt dir gleichzeitig die Autorität, deinen Preis zu nennen, ohne ihn erklären zu müssen. Das ist für mich der eigentliche Grund, warum deine Marke Storytelling braucht.
Ohne ein gutes Storytelling wird auch die Erstellung von Social Media Content jeden Tag eine Herausforderung, denn jede Story und jeder Post sollte deine Markenidentität und deren Geschichte widerspiegeln. Hier gezeigt: Tina Schmidt, deren Reise zur Brandstory ich weiter unten beschreibe.
Drei Kundinnen, drei Geschichten
Wie Brand Storytelling im Design aussieht, zeige ich dir am liebsten an echten Projekten. Jede Story ist anders, und das macht es so spannend.
Verena: die wilde Rose
Verena ist Psychologin und Coach für gesunde Grenzen. Sie hat ein eigenes Verfahren entwickelt, Gren:ZEN, und hostet den Podcast „Das grenzt an Glücklichsein“.
Als wir gestartet sind, hatte sie noch keine Marke, die sie so richtig gefeiert hat. Sie wünschte sich „ein klares Design mit einem verspielten Element”. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass da mehr dahinterstecken muss.
Und dann kam eine Frage von ihr, die zum Kern ihrer ganzen Marke wurde: Sie wollte wissen, wie ihre femininen, verspielten Kleider und ihre tätowierten Arme eigentlich zusammenpassen und inwiefern das ihrer Marke schadet.
Genau diese Zweiteilung habe ich aufgegriffen. Daraus wurde die wilde Rose als Symbol: weich und feminin, mit Dornen, die schützen. Passt natürlich perfekt zu einer Frau, die anderen Frauen hilft, ihre Grenzen zu setzen. Ihr Claim heute: „Rooted in softness. Rising in strength.“
Für Verena war das der größte Turning Point im ganzen Prozess. Beides darf parallel stehen, das Weiche und das Wehrhafte.
Und das ist für mich Brand Storytelling in Reinform. Die Story war die ganze Zeit da. Verena hatte sie nur noch nicht als Stärke gesehen oder sogar versteckt, und meine Aufgabe war, sie sichtbar zu machen.
Das komplette Projekt mit Logo, Farben und Bildwelt kannst du dir hier anschauen: Verena Salmen, Premium Branding
Tina: die Venusmuschel
Tina ist Hormonberaterin und Zykluscoach. Ihre Bildmarke ist heute eine Venusmuschel. Sie steht für Frauengesundheit, Weiblichkeit und Fruchtbarkeit, also für genau die Themen, mit denen Tina jeden Tag arbeitet.
Tina wäre selbst nie auf die Muschel gekommen. Und ehrlich gesagt hatte ich im ersten Gespräch auch noch keine Ahnung davon. Das Symbol ist erst im Prozess gewachsen. Heute prägt die Venusmuschel ihr gesamtes Storytelling und Branding.
Was ich daran so mag: Ein gutes Symbol trägt eine Geschichte, ohne dass du sie jedes Mal erklären musst.
Theresa: Capturing Raw Love
Theresa ist Familienfotografin. Und Jägerin. Zwei Welten, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen wollen, und Theresa hatte Angst, ihre raue Seite neben der weichen Familienfotografie zu zeigen.
Wir haben genau diese Rohheit ins Branding geholt, über Leder-Texturen, natürliche Strukturen und Farben und mit dem Claim „Capturing Raw Love“.
„In meiner Fotografie ist es mir wichtig, die Nähe, die Liebe, die Echtheit, die Rohheit auch wiederzuspiegeln. Haut auf Haut, vor allen Dingen die Natürlichkeit in der Natur mit natürlichen Materialien und das zieht sich jetzt auch durchs Branding durch mit den Strukturen und mit den Farben und ich bin mega zufrieden damit“, sagt Theresa selbst über ihr Branding.
Fällt dir was auf? Keine der drei musste sich eine Geschichte ausdenken. Bei Theresa war es sogar genau die Seite, die sie aus Angst lieber versteckt hätte, die ihre Marke heute trägt.
So findest du deine eigene Brandstory
Du musst jetzt nicht direkt ein Branding buchen, um mit deiner Story anzufangen. Ein paar Fragen kannst du dir heute schon stellen. Nimm dir einen Kaffee und ein Notizbuch und beantworte sie ehrlich, auch die unbequemen.
Was hat dich wirklich dazu gebracht, dein Business zu gründen? Welcher Moment war es, jenseits der Version, die auf deiner About-Seite steht?
Wofür würdest du auch dann einstehen, wenn es dich Kundinnen kostet?
Welche Seite von dir hältst du in deinem Business gerade noch zurück? Und warum eigentlich?
Was sagen Menschen über dich, die dich gut kennen, auch privat?
Wo fühlst du dich in deinem Business wie im Kostüm?
Wenn deine Wunschkundin nach dem ersten Blick auf dein Profil drei Worte über dich sagen würde, welche sollten das sein?
Wenn du bei einer dieser Fragen kurz geschluckt hast, ist das ein ziemlich gutes Zeichen. Meistens liegt genau da die Würze in deiner Story, die deine Marke braucht.
Und dann kommt der schwierige Teil: diese Story in ein Design zu übersetzen. In Farben, Formen, Symbole und eine Bildwelt, die das alles trägt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das bei der eigenen Marke ist. Man ist einfach zu nah dran.
Warum bei mir die Story immer zuerst kommt
Mein Prozess folgt drei Schritten, und zwar in genau dieser Reihenfolge: Story, Strategy, Style.
Viele wollen direkt beim Style anfangen. Pinterest durchwühlen, Farben aussuchen, Logo, Schriften, schöne Moodboards. Verstehe ich total, das ist ja auch der Teil, der am meisten Spaß macht und meine absolute Passion ist. Nur ohne Story wird jedes Design zum hübschen Kostüm. Sieht gut aus, gehört aber nicht zu dir.
Deshalb startet jede Zusammenarbeit mit einem ausführlichen Fragebogen zu deiner Geschichte, deinen Werten, deiner Vision und zu dem, was du dich bisher noch nicht traust zu zeigen. Erst wenn ich verstanden habe, wer du bist und wo du am Markt stehst, geht es an die Gestaltung.
Am Ende kennst du deine Markenstory, weißt, wo du stehst, und hast eine Markenidentität als komplettes System, die sich endlich nach dir anfühlt. Ohne Kostüm.
Und ja, ich habe meins inzwischen auch ausgezogen. Den Blazer trage ich immer noch gern, nur fühlt er sich heute nach mir an. Und in meiner Marke spielt das Meer eine riesige Rolle, mit seinen Wellen und rauen Klippen. Da steckt mehr private Caro drin, als ich mir jemals zugestanden hätte.
Love Brand oder Best Friend?
Du fragst dich jetzt, wo deine Marke gerade steht? Ob sie schon deine Story erzählt, oder ob du eher wie die beste Freundin wahrgenommen wirst, die man gerne um Rat fragt?
Genau dafür habe ich einen kleinen Test entwickelt: „Love Brand oder Best Friend?“. Sieben Fragen, zwei Minuten, und du weißt, ob deine Marke gerade Best Friend, Crush oder schon Love Brand ist.
Und wenn du lieber direkt mit mir über deine Story sprechen willst, buch dir deinen 0€ Vision Call. 15 Minuten am Telefon, unverbindlich, und wir schauen gemeinsam, wo deine Marke gerade steht.
Ich freu mich auf deine Geschichte. :)
Caro

